DIE VEREINIGUNG DER FREUNDE DER SCHWEIZ IN FINNLAND 67 JAHRE

joulukuu 8, 2014, Mia Lanz

CHFIN

Text: Esko Vaahtolammi

Die Gründung

Bei der ersten, im März 1948 in Helsinki zusammengetretenen Versammlung, die die Gründung der Vereinigung behandelte, waren ”weit über hundert Personen” anwesend. Die Versammlung wurde von Major Arnold Rosenqvist eröffnet, der in den Jahren 1943-45 als Militärattaché in der Schweiz gedient hatte. Er war einige Jahre lang der erste Vorsitzende der in Finnland gegründeten Vereinigung.
Das Protokoll der ersten konstituierenden Versammlung beschreibt die Motive und die enthusiastische Atmosphäre gut.
”Major Arnold Rosenqvist hieß alle in der Versammlung Anwesenden willkommen und erstattete Bericht über die in der Schweiz gegründete Schweizerische Vereinigung der Freunde Finnlands und über die Betätigungsformen und Errungensschaften der Vereinigung und begründete, weshalb eine entsprechende Vereinigung in Finnland notwendig sei. Er umriss auch einige Richtlinien für die Tätigkeit einer derartigen Vereinigung. Insbesondere betonte der Sprecher die Notwendigkeit, eine Wechselwirkung zwischen Personen herzustellen, die auf verschiedenen Gebieten tätig sind. Man sollte ihnen in erster Linie die Gelegenheit bereiten, sich mit den entsprechenden Verhältnissen im jeweils anderen Land vertraut zu machen.

Um die kulturelle Tätigkeit zu fördern, sollte man auch den Austausch von Personen organisieren, die Kunst und Universität und andere Gebiete repräsentieren, sowie Veranstaltungen organisieren, in denen schweizerische Sachverständige verschiedener Gebiete die Verhältnisse und Bestrebungen ihres Landes veranschaulichen könnten. Es wäre auch wünschenswert, über die schweizerische Natur und die gesellschaftlichen Verhältnisse usw. zu informieren.

Mit großem Enthusiasmus wurde einstimmig beschlossen, dass eine Vereinigung zu gründen sei, um die Beziehungen zwischen Finnen und Schweizer zu entwickeln, und dass man mit diesem Ziel im Auge Maßnahmen ergreifen solle.”

Die Versammlung beschloss, der Schwestervereinigung in der Schweiz einen telegrafischen Gruß zu schicken. So wollte man gleich von Anfang an gute Beziehungen zu der in der Schweiz tätigen Vereinigung aufbauen, die für die Gründung als Vorbild gedient hatte. Die Zusammenarbeit ist auch seither sehr gut gelaufen. Die Ähnlichkeit der Satzung und damit auch der Tätigkeit der Vereinigungen ist ein klarer, verbindender Faktor gewesen. Außerdem haben die aktiven Personen und insbesondere die Vorsitzenden eine Neigung zur Zusammenarbeit aufgezeigt und diese auch in die Tat umgesetzt, was in der Tätigkeit der beiden Vereinigungen deutlich zum Vorschein gekommen ist.

Die eigentliche konstituierende Versammlung der Vereinigung der Freunde der Schweiz in Finnland ist in Helsinki am 8.4.1948 abgehalten worden. Zum Schluss der Versammlung betonte der diplomatische Geschäftsträger der Schweiz, Fritz Hegg, dass ”die Botschaft ihrerseits auf jede Art der Vereinigung behilflich sein wird und die Tätigkeit der Vereinigung unterstützen wird.” Dieses Versprechen ist eingelöst worden. Die Botschafter der Schweiz und das Personal der Botschaft haben im Laufe der vergangenen Jahre bereitwillig ihre Hilfe angeboten und ihrerseits dazu beigetragen, die Aktivität der Vereinigung zu verstärken.

In der bestätigten Satzung wurde Folgendes festgestellt: ”Das Ziel der Vereinigung ist es, in Finnland über die heutzutage vorherrschenden Verhältnisse des schweizerischen Gesellschaftslebens auf verschiedenen Gebieten, über die Natur, die Geschichte und die Errungenschaften auf dem Gebiete der Kultur der Schweiz zu informieren, und in jeder Hinsicht die guten Beziehungen zwichen Finnland und der Schweiz zu entwickeln und zu fördern”. Die Formulierung des Grundzieles war derart gut gelungen, dass sie bis zum heutigen Tag eine tragende Kraft der Tätigkeit geblieben ist.
Im Nachhinein betrachtet muss man zugeben, dass die Gründung der Vereinigung der Freunde der Schweiz in Finnland in den unbeständigen Verhältnissen des Jahres 1948 darauf hinweist, dass die damaligen Initiatoren Mut besaßen, an eine bessere Zukunft glaubten und Zuversicht hatten, sowie dass sie weitsichtig waren und die Bedeutung der inoffiziellen Freundschaft in zwischenstaatlichen Beziehungen verstanden.

Der Gesichtwinkel des Einzelnen

In der Schweiz hatte man nach den Kriegen großes Mitgefühl mit Finnland und viele schweizerische Vereine halfen und unterstützten die Finnen, die an der Zerstörung des Krieges gelitten hatten. Auf diese Art wurde die neutrale Schweiz den Finnen näher gebracht und man empfand, dass die Schweizer aurfrichtige Freunde Finnlands waren. Sicherlich spielte die im Januar-Februar 1948 in St. Moritz veranstaltete Winterolympiade mit eine Rolle, die Schweiz bekannt zu machen, haben doch die Finnen damals eine Goldmedaille, drei Silber- und zwei Bronzemedaillen gewonnen.
Viele träumten wahrscheinlich davon, als Tourist ins Ausland fahren zu können, vielleicht beispielsweise in die Schweiz mit Hilfe eines Stipendiums. Nach den Kriegen lebte man in Finnland in Zeiten der Rationierung. Um Devisen zu bekommen und somit ins Ausland zu reisen, musste man ein definierbares Bedürfnis angeben. Dass man einer offiziell anerkanntenVereinigung angehörte, die sich der internationalen Freundschaft widmete, schaffte Voraussetzungen dafür, dass man Devisenempfehlungen bekam, und half einem zu beweisen, dass das Verreisen ins Ausland notwendig war. Unter diesen Umständen ist es verständlich, dass man an einer Tätigkeit teilnehmen wollte, mit deren Hilfe es möglich war, sich aus den normalen, vielleicht etwas ”grauen” Lebensbedingungen und Routinen der Nachkriegszeit zu befreien.

Die Tätigkeit entwickelte sich und wurde vielfältiger

Energisch begann Oberst Viljo Turunen seine lange Zeit als Vorsitzender beim Überang in die 60-er Jahre, als das zweite Tätigkeitsjahrzehnt der Vereinigung anfing. Er strebte danach, die Planung und Information auf lange Sicht auszubauen und hatte aktiven Kontakt mit den schweizerischen Zusammenarbeitsorganen. Viljo Turunen startete eine Satzungsänderung, so dass es leichter möglich sei, Lokalabteilungen zu gründen. Er betonte ständig die Notwendigkeit, Lokalabteilungen zu gründen, und war selbst dabei, als die selbständige Gilde der Freunde der Schweiz in Tampere gegründet wurde.
Während des dritten Tätigkeitsjahrzehnts der Vereinigung wuchs die Mitgliederanzahl auf das Sechsfache.
Der Ertrag von den Mitgliedsbeiträgen, aber insbesondere von den organisierten Charterflügen ließ das Kapital der Vereinigung auf das Vierfache anwachsen. Dies ermöglichte es, zunächst einmal schweizerischen Offizieren Stipendien zu bewilligen, welches schon lange Ziel der Vereinigung gewesen war. Die Vereinigung mietete eigene Büroräumlichkeiten und stellte die ersten Teilzeitmitarbeiter an. Wegen der hohen Mitgliederanzahl und der anspruchsvollen Veranstaltungen war die Vereinigung namhaft unter den finnischen Vereinen, die sich der Freundschaft mit dem Ausland widmeten. Das erfolgreiche Jahrzehnt ist wieder Oberst Viljo Turunens Verdienst, denn er hat mit seinem Arbeitseinsatz die Grundlage für den Erfolg geschaffen. Die Tatsache, dass er in weitem Ausmaß und selbständig Angelegenheiten erledigt hatte, spiegelte sich darin wider, dass das Tätigkeitsniveau vorübergehend sank, als er aus dem Vorstand zurücktrat.
Während des vierten Jahrzehnts, zu Beginn der 80-er Jahre, erreichte die Mitgliederanzahl der Vereinigung ihren Höhepunkt. Der hauptsächliche Grund dafür waren die Charterflüge, die man seit dem vorangegangenen Jahrzehnt organisiert hatte. Die finanzielle Situation der Vereinigung entwickelte sich weiterhin günstig. Somit konnte die Vereinigung auch schweizerischen Zivilpersonen Stipendien bewilligen.

Während der neun Jahre langen Tätigkeitsdauer von Pentti Myyryläinen, der im Jahre 1981 zum Vorsitzenden gewählt worden war, wurden acht Lokalabteilungen gegründet, d.h. der größte Teil der heute existierenden Lokalabteilungen. Sein aktiver Arbeitseinsatz war bei den Gründungen entscheidend. Auf Wunsch der Mitglieder fing man an, Versammlungen und mit ihnen verbundene Veranstaltungen auch außerhalb der Hauptstadtregion zu organisieren.
Während dieses Jahrzehnts wurde es üblich, für die ehemaligen Offiziersstipendiaten abwechselnd in beiden Ländern im Abstand von einigen Jahren ”Reservistenübungen” zu organisieren. Die Satzung der Vereinigung musste geändert werden, als der Verwaltungsausschuss des Stipendienfonds und der Stipendiatenausschuss vereinigt wurden. Damit wurde die Behandlung der Stipendienangelegenheiten vereinfacht und die Verwaltung der Stipendienmittel klarer gemacht. Mit Ausnahme von einem Jahr wies der jährliche Bücherabschluss einen Überschuss auf. Die positive finanzielle Entwicklung schaffte die Voraussetzungen, im Jahre 1984 eigene Büroräumlichkeiten zu kaufen.
Während der 90-er Jahre begannen die Lokalabteilungen, immer mehr Verantwortung für die Tätigkeit der Vereinigung zu übernehmen. Die Aufgabe der Muttervereinigung war es, außer für die Finanzierungsvoraussetzungen zu sorgen, die Stipendiatentätigkeit zu koordinieren und den Lokalabteilungen verschiedene Aktivitäten anzubieten. Mit Hilfe verschiedener Maßnahmen zur Verstärkung und Aktivierung der Tätigkeit konnte ein gewünschtes Niveau beibehalten werden, unabhängig von dem allgemeinen wirtschaftlichen Tiefstand. Die Jugendarbeit wurde als wichtig angesehen und in dem Rahmen strebte man danach, neue Möglichkeiten zu eröffnen, um das Interesse zu erhöhen.

Die Informationstechnik kam stark in die Tätigkeit hinein und die Vereinigung bekam ihre eigenen Internetseiten. Dadurch kann man Mitglieder und andere Interessenten schneller als zuvor bedienen und umfassende Information über die Schweiz und die Tätigkeit der Vereinigung anbieten. Zu den Aktivitäten gehören nach wie vor Vorlesungen von Sachverständigen verschiedener Gebiete, Ausflüge im Heimatland, Wanderfahrten in die Schweiz, bunte Abende, Abende mit schweizerischem Essen, Information über Tourismus, kulturelle Veranstaltungen usw.

Die Mitglieder

Die Anzahl der Mitglieder der Vereinigung wuchs anfangs gleichmäßig mit etwa zehn bis vierzig neuen Mitgliedern jährlich. Zehn Jahre nach der Gründung der Vereinigung, im Jahre 1958, hatte man 409 Mitglieder. Während der 70-er Jahre beschleunigte sich der Zuwachs. Während der besten Jahre schlossen sich der Vereinigung mehr als 1000 neue Mitglieder an. Der hauptsächliche Grund dafür war die Beliebtheit der billigen Flüge in die Schweiz, die man zusammen mit der Schwestervereingung organisierte. Die Flüge kosteten damals etwa die Hälfte des Preises eines normalen Linienflugs. Die Tatsache, dass man, um mitfliegen zu dürfen, Mitglied der Vereingung sein musste, brachte offensichtlich auch solche Leute heran, die nur ein Jahr ihren Mitgliedsbeitrag bezahlt haben. Im Jahre 1981 erreichte man den Höhepunkt in der Anzahl mit über 7000 Mitgliedern. Am Ende des Jahrzehnts ließ der Zuwachs nach und die Gesamtanzahl der Mitglieder fing an abzunehmen. Die grundlegende Ursache war die Konkurrenz der Reisebüros und der Fluggesellschaften, die die von der Vereinigung organisierten Flüge unrentabel machten. Zu Beginn der 90-er Jahre hörte die Vereinigung dann auf, Charterflüge zu organisieren. Vereinfachend könnte man sagen, dass nur diejenigen in der Vereinigung blieben, die mit Hilfe der Vereinigung die Schweiz kennenlernen wollten und neue internationale Freundschaftsbande knüpfen wollten.

Die Stipendiatentätigkeit

Durch den Stipendienfonds der schweizerischen Schwestervereinigung inspiriert, hatte auch Die Vereinigung der Freunde der Schweiz in Finnland sich zum Ziel gesetzt, schweizerische Stipendiaten nach Finnland zu bringen. Der Stipendienfonds wurde 1963 gegründet. Als dessen Kapital anwuchs, konnten die ersten Offiziersstipendien im Jahre 1970 bewilligt werden. Seither haben jährlich zwei schweizerische Offiziersstipendiaten Finnland besucht. Während eines Monats lernen sie die Finnische Armee sowie die Zivilgesellschaft kennen. Bis zum Jahre 2008 waren insgesamt 75 Offiziere als sogenannte Mannerheimstipendiaten in Finnland.
Das erste Zivilstipendium wurde im Jahre 1979 bewilligt. Die Zivilstipendiaten verbringen im allgemeinen zwei bis vier Wochen in Finnland. Das Programm wird gemäß den Wünschen der Stipendiaten zusammengestellt. Bis zum Jahre 2008 haben insgesamt über 80 Personen Finnland als Zivilstipendiaten besucht. Außerdem hat man mit Hilfe des Ertrags des Stipendienfonds Kulturbesuche unterstützt und Sachverständige eingeladen, um hier Vorlesungen zu halten. Auch sonst angesehene oder sich profiliert habende Personen sind zu einem Besuch nach Finnland eingeladen worden.

Zum Schluss

Die unterschiedliche Natur der Schweiz und die Freundlichkeit der Schweizer sind Faktoren, die in den Interviews wiederholt wurden, die für diesen geschichtlichen Rückblick durchgeführt worden sind. Dies zeigt, dass die Freundschaftsvereinigung nicht umsonst gegründet wurde. Im Gegenteil, sie hat heute noch wirklich eine Bedeutung als ein Organ, das diejenigen Tätigkeitsprinzipien verwirklicht, die vor 66 Jahren in die Satzung eingetragen worden sind.